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Schwarz zu Schwarz
Diese Schule ist echt heruntergekommen. Überall liegt Müll oder Schrott. Die meisten Fenster sind zerbrochen. Kein Wunder, es kümmert sich ja auch niemand darum, denn keiner will der Schule zu nahe kommen. Der Putz fällt an den meisten Wänden ab und die Farbe der Gänge wechselte über die Jahre von Weiß, zu Grau und teilweise zu blutrot. Das Grau ist am schlimmsten, denn die Atmosphäre hier verändert sich dadurch stark in das hoffnungslose. Die blutroten Flecken sind die Überreste des Alltags hier. Man geht durch die Gänge und versucht möglichst nicht auf sich aufmerksam zu machen. Das einzige was man in den Gängen hört, sind die Schritte von mehreren Leuten, von Gruppen. Auf den Gängen wird geschwiegen.
Das hier ist eine reine Jungenschule. Eigentlich haben die Lehrer nichts mehr zu sagen, denn die Gewalt beherrscht die Schule. Es ist viel Blut geflossen. Und trotzdem tragen wir Uniformen. Hemd, Anzug und Hose… in Schwarz.
Soll wohl die Gruppenbildung verhindern.
Funktioniert aber nicht so ganz.
Die Schule ist aufgeteilt in viele Gruppen oder Gangs. Naja jedenfalls ist hier Gewalt an der Tagesordnung. Tägliche Schlägereien usw.
Wenn ich genau überlege, ist das alles total sinnlos.
Denn den Grund für die Feindschaften haben wir schon lange vergessen.
Vermutlich geht es um Macht. Das typische Machtspiel eben.
Ganz vorne dabei sind die zwei größten Gangs, die natürlich verfeindet sind.
Ich bin jedenfalls einer der Anführer dieser beiden Gruppen. Wir haben cirka fünf oder sechs Anführer. Ich habe den Überblick verloren, wer dazugehört, und wer nicht. Denn es interessiert mich eigentlich auch nicht. Das einzige was zählt, ist einer Seite anzugehören um nicht unterzugehen. Ich hab mich über die Jahre eben hochgearbeitet.
Unser momentanes Ziel ist es, so viele kleinere Gangs zu übernehmen, wie es geht.
Denn wir müssen vorbereitet sein. Vorbereitet auf den Tag, an dem es darum geht, wer die Macht auf der Schule besitzt.
Und ich glaube, dass es bald soweit sein wird.
In der letzten Woche hat sich einiges verändert, es gab viel Ärger, zwischen den großen und den kleinen Gangs. Das ist ein Wettrüsten. Die Großen Gangs rekrutieren sozusagen. Die meisten kleineren Gruppen mussten sich entscheiden, an wessen Seite sie kämpfen wollen.
An unserer Seite, oder an deren Seite. Nur einige waren zu dickköpfig und blieben alleine. Vielleicht aus Angst, vielleicht glaubten sie auch, selber etwas erreichen zu können. Diese wenigen mussten dann eben den Preis bezahlen, denn alle Alleingänger auf dieser Schule bezahlen mussten. Die Krankenhausgebühren eben.
Wie gesagt, es sind schlimme Zustände hier.
Hier herrscht Krieg und es scheint keine normale Lösung in Sicht.
Die Größe der verbliebenen zwei verfeindeten Gangs kann man im Moment nur schätzen.
Wir vermuten bei unseren Gegnern so um die hundertfünfzig Leute. Was aber eigentlich noch relativ optimistisch gesehen ist.
Vor ein paar Tagen haben sich die Anführer getroffen um zu verhandeln. Komischerweise ist das ganze ganz ruhig verlaufen. Es fing ruhig an, wir waren zwar alle angespannt, aber konnten noch ruhig reden. Später, als wir uns nicht einigen konnten, kam es zum Streit, der aber nicht eskaliert ist.
Auch später kamen wir zu keiner Einigung, nur zu einem Ort und einer Zeit.
Der Ort ist das große Feld neben der Schule, und die Zeit ist hier und jetzt.
Ich sehe nach rechts und sehe eine Reihe von in schwarz gekleideten Schülern.
Ich sehe nach links und sehe noch eine Reihe von Schülern in schwarz.
Ich sehe zurück über die Schulter und sehe schwarz.
Ich sehe nach vorne und sehe eine schwarze Front, die mir entgegen blickt.
So stehen wir nun.
Unsere Gang und deren Gang.
Schwarze Front an schwarzer Front,…im strömenden Regen…..